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Promisioo – ein neuer Introducing Broker am deutschen Broker-Himmel

Letzte Aktualisierung: 01.07.2021.

Es ist ja nicht so, dass nicht schon genug Ableger von Interactive Brokers (IB) in Deutschland tätig wären. Dennoch gibt es jetzt einen neuen: Promisioo. Fragt sich, was der Grund sein sollte, sich für einen neuen Anbieter zu entscheiden, wo es doch bereits eine Vielzahl vertrauter Broker-Marken wie AGORA direct, BANX, CapTrader, FXFlat oder LYNX gibt. Als Backend nutzen allesamt IB. So viel sein schon einmal verraten: die Konditionen des Neulings bergen eine handfeste Überraschung!

Promisioo selbst positioniert sich als erster nachhaltiger Online-Broker in Deutschland für börsenaffine Privatanleger. Mit jedem Trade würden automatisch ökologische, soziale und nachhaltige Projekte in Deutschland unterstützt. Die Grundidee lt. Promisioo:

Ein professioneller und fairer Broker mit hohem Kundenservice, der sich gleichzeitig an nachhaltigen Projekten beteiligt und diese aktiv fördert. Damit möchte Stefan Schmitt, als erfahrender Banker, ein Zeichen setzen und als Vorreiter in der Finanzwelt den Begriff Sustainable Finance im Bereich der privaten Kapitalanlage etablieren.
Kooperationspartner sind dabei Interactive Brokers – eine preisgekrönte Trading-Plattform – und das Haftungsdach der Innovative Investment Solutions GmbH. Motto und Zielkundschaft: Mit gutem Gefühl nachhaltig traden – ein Angebot, dass vor allem an börsenaffinen Privatkunden gerichtet ist.

Promisioo, Pressemeldung vom 11. März 2021

Konditionen im Vergleich

Nachhaltigkeit hin oder her. Letztlich ist die Frage, wie wettbewerbsfähig das Preisgefüge von Promisioo im Vergleich zu den anderen Introducing Brokern ist. Bei den Gebühren muss sicherlich jeder individuell priorisieren. Persönlich würde ich insbesondere die Gebühren der für mich wichtigsten Aktienmärkte heranziehen, bei mir sind das GB, CA, AU und natürlich die USA.
Um ein paar Eckpunkte zu nennen: Promisioo ist bei US-Aktien gleich teuer wie z.B. CapTrader, jedoch bei deutschen Aktien (FWB) 20 Prozent teurer. Alles in allem aber ein ähnliches Niveau und nicht wirklich entscheidungsrelevant. Interactive Broker (IB) selbst, sozusagen das Original, ist bei US-Aktien z.B. nur halb so teuer.

Günstiger Wertpapierkredit, aber mit Einschränkungen

Ein Punkt sticht dann aber doch hervor. Auch wenn es auf der Homepage bisher nirgends steht: Wie mir seitens Promisioo bestätigt wurde, werden die Margin-Zinssätze bei Promisioo 1:1 von Interactive Brokers weitergereicht. Diese betragen für den Euro z.B. derzeit 1,5 Prozent (Stand 04/2021). Da kann in Deutschland nur DEGIRO mit 1,25 Prozent mithalten. Bei CapTrader sind es derzeit für den Euro 2,5 Prozent. Selbst wenn man gar keinen Wertpapierkredit aufnehmen will, sind solche niedrigen Zinssätze natürlich von erheblichem Vorteil. Zum Beispiel, wenn man nach einem Wertpapierverkauf am gleichen Tag neue Wertpapiere kaufen möchte.

Zum Vergleich die Konditionen typischer deutscher Online-Broker: Die comdirect liegt derzeit bei 3,90 Prozent, onvista verlangt gar 4,25 Prozent p.a.

Allerdings, seit dem Brexit und dem damit verbundenen Umzug von IBUK zu den neu gegründeten EU-europäischen Niederlassungen von IB (IBCE, IBIE oder IBLUX) ist die Margin nicht mehr so flexibel handzuhaben wie vor 2021: Zwar kann ich wie gewohnt, z.B. durch einen Aktienkauf in EUR mein EUR-Konto ins Negative laufen lassen. Was aber nicht mehr geht: mir einfach z.B. 10.000 EUR auf mein Referenzkonto auszahlen lassen, wenn dadurch mein EUR-Konto ins Negative geht. Insofern sind die von deutschen Brokern gewohnten Wertpapierkredite flexibler: Dort wäre das möglich. Die Nutzung des Wertpapierkredits ist dort explizit nicht an den Kauf von Wertpapieren gebunden.

Wechsel zwischen verschiedenen Introducing Brokern?

Wer bereits bei einem der verschiedenen Introducing Broker einen Account besitzt, kann einen Wechsel ganz entspannt angehen. Seitens Interactive Brokers gibt es hierbei keinerlei Beschränkungen. So ist es durchaus möglich, bei mehreren Introducing Brokern parallel einen Account zu unterhalten, und jeweils von den unterschiedlich vorteilhaften Konditionen zu profitieren. Interne Depotüberträge, also der Transfer von Positionen innerhalb der Interactive Brokers-Welt, können mit ein paar Klicks sogar direkt im Kundenportal vorgenommen werden, wenn man

  • erstens der gleichen IB-Tochter zugeordnet ist, also z.B., wie bei Promisioo, Interactive Brokers Irland (IBIE).
  • zweitens für beide Depots die gleichen Daten angegeben wurden (Name, Vorname, Adresse, Personalausweis-Nr. etc.)

Will man komplett von einem anderen Introducing Broker wechseln, kann mittels eines Broker-Change-Formulars ein Depotübertrag zu Promisioo angestoßen werden.

„Maue“ EU-Einlagensicherung

Leider haben sich ja hier die Konditionen seit dem Brexit 2021 massiv verschlechtert. Mit dem Brexit hat Interactive Brokers die Kundenkonten von UK auf IB-Gesellschaften in EU-Europa (Irland, Luxemburg oder Ungarn) migriert. Das gilt damit natürlich auch für die meisten Reseller von IB. Sollte es nun trotz segregierter Konten und einer Vielzahl weiter Sicherungsmaßnahmen, z.B. in betrügerischer Absicht, zu einem Fall kommen, dass IB die Wertpapiere nicht dem jeweiligen Kunden zuweisen kann, betrüge die maximale Entschädigung in EU-Europa lediglich 20.000 Euro bzw., im Falle von IBCE (der neuen IB-Tochter in Ungarn), 100.000 Euro.

Bei der Gelegenheit: mir schwant, Promisioo erläutert die Einlagensicherung noch so, als ob es den Brexit und den damit verbundenen Umzug der Kundenkonten zu IBIE Anfang 2021 nicht gegeben hätte (siehe unter https://promisioo.de/unternehmen-promisioo/ und dann unter „Einlagensicherung“). IBUK ist eben nicht mehr zuständig, und die Kundenvermögen sind explizit nicht mehr durch SIPC (Securities Investor Protection Corporation), FSCS (Financial Services Compensation Scheme) und Lloyd’s of London abgesichert.

Nun, dennoch halte ich Interactive Brokers für ein überaus gesundes und solides Unternehmen. Trotzdem ist es seit jeher sinnvoll, Geschäftsbeziehungen zu mehreren Brokern zu unterhalten!

Warum nicht gleich zum „Original“ IB?

Gute Frage! Das war mir einen eigenen Artikel wert … Von den Konditionen her ist die direkte Nutzung von IB, sozusagen unter Ausschaltung des Zwischenhändlers, das Allerbeste. Allerdings muss man, wenn man keine Depotgebühren bezahlen will, entweder sehr aktiv handeln, oder ein Anlagevolumen von mindestens 100.000 Euro übertragen. Bei Promisioo geht es dagegen bereits bei einer Mindesteinlage von 4.000 Euro los.

Ist man bereits Kunde bei einem Introducing Broker, ist der Wechsel zur Mutter IB überdies meist eingeschränkt. So ist z.B. für CapTrader von einer 6-monatigen Sperrfrist die Rede: In dieser Zeit kann weder bei CapTrader noch bei IB gehandelt werden. Es kommt noch schlimmer: Das Depot bei CapTrader müsste zwischenzeitlich aufgelöst werden. IB beschreibt es selbst wie folgt:

Can I open an account directly with IBKR after closing my Introducing Broker account?
Some Introducing Brokers require a 6 month cool-down period before you can open an account directly with IBKR. Please check directly with your Introducing Broker to determine if there are any restrictions.

Also, … fragen kann man seinen alten Broker ja mal … oder man versucht, individuell bessere Konditionen auszuhandeln. Am besten überlegt man sich aber die Wahl des passenden Brokers gleich zu Beginn. Als Faustregel könnte man auch sagen, das für blutige Investment-Anfänger die Introducing Broker wegen des deutschsprachigen Supports und der geringeren Einstiegshürden die bessere Wahl sind. Wenn man dagegen schon ein wenig Erfahrung gesammelt hat, kann man auch direkt IB gehen. Steuerlich macht es keinen Unterschied, da man sich bei allen Varianten selbst um die Abführung der deutschen Abgeltungsteuer kümmern muss.

Mein Fazit

Letztlich kommt es auf das eigene Nutzungsprofil an, welcher der verschiedenen Introducing Broker für einen selbst der richtige ist. Das Backend von Interactive Brokers ist ja eh überall gleich. Von den Konditionen her ist Promisioo z.B. bei Aktienkäufen ein wenig teurer als z.B. CapTrader, aber immer noch viel billiger als die typischen deutschen Direktbanken à la comdirect oder DKB. Sollte man jedoch sein Margin-Konto ausreizen wollen, liegt man bei Promisioo goldrichtig, da der Anbieter hier einfach die sehr günstigen Konditionen von Interactive Brokers weitergibt. Das ist für den deutschsprachigen Raum konkurrenzlos, sieht man einmal von DEGIRO ab. Dafür darf man dann aber spekulieren, ob denn der deutschsprachige Support bei Promisioo schon ebenso ausgebaut ist wie der bei den lang etablierten Broker-Schwestern.

Bild von Steve Buissinne auf Pixabay


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