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Warum ich ein Depot bei dem US-Broker TradeStation unterhalte

Letzte Aktualisierung: 19.03.2021.

An dieser Stelle habe ich schon öfter über die Beweggründe geschrieben, einen Account bei diesem oder jenem Broker im In- oder Ausland zu unterhalten. Wie in einem früheren Blogbeitrag erläutert, kann dabei ein wesentlicher Beweggrund sein, die MiFID II-Richtline zu umgehen. Als mündiger Investor schütze ich mich nämlich gerne selbst. Aber hast Du schon einmal von der US-Steuerregel IRC 871(m) gehört? Das wäre hiermit dann ein weiterer Grund für einen Auslandsbroker. Genauer gesagt, für einen Broker, der außerhalb der EU-Jurisdiktion angesiedelt ist. Konkret war es mein Wunsch, weiter in sog. Exchange Trade Notes (ETNs) investieren zu können.

Mit der Steuerregel IRC 871(m) wollen die USA, grob gesagt, verhindern, dass Nicht-US-Personen über Derivate die US-Quellensteuer umgehen. Nicht, dass ich persönlich die US-Quellensteuer umgehen wollte. Am Ende ist es mir auch egal, welchen Anteil an den 25 Prozent Steuern die USA und welchen der deutsche Fiskus erhält. Ich hatte einfach nur Interesse am Erwerb bestimmter ETNs (Exchange Trade Notes). Diese Möglichkeit ist nun der wesentliche Grund, warum ich ein Depot bei dem US-Broker TradeStation unterhalte.

ETNs – die nukleare Option der Kapitalanlage

Konkret hatte ich Interesse an dem Papier REML (X-Links Monthly Pay 2xLeveraged Mortgage REIT ETN), das von der Credit Suisse emittiert wurde. Anders als einige andere ETNs, die während des Corona-Crashs seitens des Emittenten, der UBS, liquidiert werden mussten, hat REML dank des Wohlwollens der Credit Suisse den Corona-Crash überlebt, trotz eines zwischenzeitlich negativen „Indicative Value“.

Stand Anfang Februar 2021 beträgt die Jahresperformance übrigens schauerliche minus 80 Prozent! Für mich ist das Investment in REML, das ich bereits kurz nach dem Crash, im April 2020 getätigt hatte, eine Wette auf die Erholung dieses Marktsegments. Seit meinem Einstieg hat sich der Kurs in etwa verzweieinhalbfacht, die (annualisierte) „Dividendenrendite“ (eigentlich handelt es sich bei den Ausschüttungen ja um Kupons) beträgt derzeit ca. 16 Prozent. Über die (enormen) Risiken dieser gehebelten Papiere möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen. Gerne empfehle ich hierzu den Beitrag meines Blogger-Kollegen Luis Pazos auf seinem Blog „Nur Bares ist Wahres!“. Er bietet einen guten Überblick zum Thema ETNs, auch wenn das dort in 2017 vorgestellte Papier, UBS ETRACS Monthly Pay 2xLeveraged Mortgage REIT ETN (Kürzel: MORL) im Zuge des Corona-Crashs im März 2020 „ge-called“ wurde.

Trotz des (im März 2020 eingetretenen) Worst-Case lässt sich eine gewisse Popularität von ETNs insbesondere unter Einkommensinvestoren nicht abstreiten. Bei der zu erwartenden Ausschüttungshöhe sicherlich kein Wunder. Eine aktuelle Liste der von der UBS emittierten (und noch existierenden bzw. neu emittierten) ETRACS ETNs findet sich hier. Aber Achtung: alles auf eigene Gefahr – bitte beachtet meinen Disclaimer!

Die US-Steuerregel IRC 871(m)

Die US-Steuerbehörde (IRS) hat für Anfang 2017 die bestehenden Regelungen zur US-Quellensteuer nach Sec. 871(m) erweitert. Mit dem neuen Abschnitt 871(m) im US-Steuergesetz (IRC) soll verhindert werden, dass Personen, die nicht der US-Jurisdiktion unterliegen, über derivative Finanzinstrumente die Quellensteuer auf US-Aktien umgehen. Zukünftig fällt daher die US-Quellensteuer auch auf „dividendenähnliche“ Ausschüttungen aus derivativen Finanzinstrumenten mit US-Aktien als Basiswert an, also z.B. Knock-Out-Produkte, Zertifikate oder eben auch ETNs.

Und tatsächlich: Wer selbst das „Glück“ hatte, bis März 2020 ein Papier wie MORL (oder den Nachfolger und Klon MRRL) zu besitzen, kann sich sicher daran erinnern, dass hier seitens des Brokers bei den Ausschüttungen keine Quellensteuer abführt wurde.

Genauere Infos zu IRC 871(m) finden sich etwa bei LYNX oder auch direkt bei Interactive Brokers.
IRC 871(m) ist übrigens auch der Grund für die aktuelle Schwierigkeit derzeitige Unmöglichkeit, in einem Wikifolio US-Dividenden abzubilden.

ETNs bei Interactive Brokers oder den deutschen Resellern?

Wenn man an Auslandsbroker denkt, ist man gedanklich schnell bei den Introducing Brokern von Interactive Brokers, wie z.B. BANX, CapTrader oder LYNX, oder direkt bei Interactive Brokers. Nun, aufgrund der MiFID-II-Richtlinie haben diese Broker seit Mitte 2018 faktisch alle Nicht-EU Exchange-Traded-Produkte für Privatkunden mit EU-Wohnsitz gesperrt. Neben ETFs sind hier eben auch ETNs und ETCs (Exchange Traded Commodities) betroffen.

Lässt man sich bei den Interactive Brokers-Ablegern als professioneller Investor einstufen, kann man zwar die MiFID-II-Richtlinie umgehen. Bei den ETNs kommt dann allerdings als weiterer Beweggrund für die Sperre dieser Produkte die US-Steuerregel IRC 871(m) hinzu. Im Endergebnis ist dort also kein Handel mit ETNs möglich.

Warum nun TradeStation?

In kurz: weil über den US-Broker TradeStation weiterhin ETNs gehandelt werden können!

Natürlich gibt es viele andere Broker da draußen; dieser Blogbeitrag soll aber auch keinen allumfassenden Marktüberblick bieten, sondern meine persönlichen Beweggründe erläutern. Schaut man sich in den USA oder anderswo nach einem Broker um, stellt man schnell fest, dass nicht jeder Broker europäische Kunden bedienen will. Umgekehrt war es ja auch so, dass sich in den vergangenen Jahren viele europäische Banken von ihren US-Kunden getrennt haben, um sich den damit einhergehenden Pflichten zu entledigen. Im Zweifel hilft also nur: Recherche. Meinem letzten Wissenstand nach akzeptieren in den USA auch Schwab oder E-Trade deutsche Kunden, in der Schweiz z.B. der deutschsprachige Broker Swissquote (der allerdings sehr teuer ist). Allerdings ist mir aktuell nicht bekannt, ob diese Broker den Handel mit genannten ETNs weiterhin ermöglichen.

Die Konditionen von TradeStation

Wenn man die Website von TradeStation besucht, bekommt man nicht direkt die für europäische Kunden gültigen Konditionen zu sehen. Gebührenfreies Handeln auf Basis von „TS Go“ oder „TS Select“ ist ausschließlich US-Kunden vorbehalten. Gültig ist stattdessen der „International Plan“, bei dem jede Wertpapiertransaktion 5,- USD kostet. Die Konditionen sind also in etwa vergleichbar mit denen des deutschen Brokers onvista bank, und insofern immer noch als recht günstig zu bezeichnen.

Initial müssen laut Aussage von TradeStation, wenn man nur „normale“ Wertpapiere (und keine Futures) handelt, lediglich mindestens 500,- USD hinterlegt werden. Falls man dann im Laufe des Jahres weniger als fünf Trades tätigt, oder das Gesamtvermögen unter 2.000,- USD rutscht, kommen noch einmal 50,- USD Depotgebühren hinzu.

Über weitere spezifische Vor- und Nachteile von TradeStation als Broker werde ich zu gegebener Zeit in einem separaten Artikel eingehen.

Hinweis: ich bekomme keine wie auch immer geartete Vergütung, wenn Ihr Euch bei TradeStation anmeldet.

Bild von Csaba Nagy auf Pixabay

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