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Depotumzug von DEGIRO.ch zu DEGIRO.de – Update

Letzte Aktualisierung: 22.04.2021.

Im Jahr 2018 hatte ich ein Depot bei DEGIRO in der Schweiz eröffnet. Wegen MiFID II. Leider war der Spaß schnell wieder zu Ende, da DEGIRO bereits Anfang 2019 seine Schweizer Dependance (unnötigerweise) an die Usancen von EU-Europa angeglichen hat. Hier berichte ich über meine Erfahrungen beim Umzug: Worauf ist zu achten, wie schnell geht alles vonstatten, und was kostet mich der Spaß unter dem Strich?

Warum ich mich seinerzeit für DEGIRO entschieden hatte

Angelockt durch die, z.B. im Vergleich zu Swissquote, günstigen Transaktionskosten und die Möglichkeit, über die Schweizer Dependance von DEGIRO weiterhin nicht MiFID II-konforme Titel erwerben zu können, bin ich im Oktober 2018 Kunde von DEGIRO geworden, genau genommen der Schweizer Dependance. Die MiFID II-Richtline, die mehr Transparenz und mehr Anlegerschutz bringen soll(te), trat Anfang 2018 in Kraft und ist seitdem für alle in der EU vertrieblich tätigen Finanzinstitute bindend.
Leider hatte sich DEGIRO bereits 2019 dazu entschlossen, MiFID II auch für seine Schweizer Niederlassung umzusetzen. Zwar konnte man entsprechende Wertpapierpositionen weiter behalten, jedoch waren somit keine weiteren Zukäufe mehr möglich.

Gründe für meinen Umzug

Die Nutzung eines Auslandsdepots, das in Schweizer Franken geführt wird, bringt naturgemäß zusätzliche Komplexität mit sich. Bei jeder Dividende und jeder Transaktion hat, zumindest für das Steuerreporting, eine Umrechnung zwischen den beteiligten Währungen zu erfolgen, also z.B. im Fall einer US-Dividende zwischen

  • USD (der Dividendenwährung)
  • CHF (der Account-Währung) und
  • EUR (meiner „Heimatwährung“ für das Steuerreporting)

Bei gehaltener Fremdwährung sind ggf. zusätzliche Währungsgewinne zu berücksichtigen.

Selbst bei gewöhnlichen Überweisungen von meinem deutschen (EUR-)Referenzkonto auf das Schweizer (CHF-)Verrechnungskonto bei DEGIRO.ch (eigentlich ein Geldmarktfonds) häuften sich die Probleme.

Dies alles wollte ich daher für die Zukunft vermeiden. Trotzdem wollte ich weiter gerne einen Account bei DEGIRO nutzen, v.a. wegen der günstigen Transaktionskosten und der günstigen Sollzinsen für einen Wertpaperkredit von derzeit (Stand April 2021) 1,25%.

Ressourcen-Engpass oder restriktive Geschäftspolitik?

Ich hatte mir zuerst nicht allzu viel Hoffnung auf einen reibungslosen Umzug gemacht. Im Grunde hat DEGIRO seit 2019 das eigene Angebot nach und nach eingeschränkt äh … gestreamlined. Vielleicht auch, um sich für die neue Konzernmutter flatex hübsch zu machen? Flatex selbst hat ja beim Thema Depotumzug, seitdem 2020 Depotgebühren eingeführt wurden, einen eher, ähem … kritischen Ruf.

Auch bei DEGIRO waren Depotübertrage in 2020, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu bewerkstelligen. In diesem Fall natürlich nur wegen, Ihr wisst es schon: Corona. So hat mir DEGIRO z.B. Im Juni 2020 geschrieben:

Aussetzung aller neuen Anträge für Depotüberträge
DEGIRO organisiert im Moment seine Prozesse im Kundenservice wegen der Risiken von Covid-19 neu. Zusätzlich haben wir eine hohe Anzahl an neuen DEGIRO-Kunden. Aus diesem Grund sind die Antwortzeiten im Kundenservice länger als normalerweise zu erwarten. Wir haben uns entschieden, alle neuen Anträge für Portfolioübertage auszusetzen, um uns darauf zu konzentrieren, unseren Kunden mit Ihren Handelsaktivitäten zu helfen. Wir möchten sicherstellen, dass es keine langen Verzögerungen bei bestehenden Depotüberträgen gibt, weil dies auch ein Risiko für Kunden in volatilen Märkten darstellen würde.
Das bedeutet, dass wir keine neuen Anträge für Depotüberträge annehmen.

Neuer Versuch in 2021

Die Frage ist ja, wie man den Depotumzug am besten bewerkstelligt. Eigentlich hätte ich mir vorgestellt, dass DEGIRO meinen Account irgendwie automatisch transferieren kann. Zum Beispiel, dass die Basiswährung einfach von CHF auf EUR umgestellt wird. Nun, da war ich wohl zu naiv. Mir wurde geraten, erst einmal den neuen Account bei DEGIRO.de einzurichten. Danach könne ich, mit einer formlosen E-Mail, den Umzug meines Accounts von DEGIRO.ch zu DEGIRO.de beantragen.

Der neue Account war recht schnell eingerichtet. Sehr viel schneller, als man es von deutschen Brokern kennt. Vorausgesetzt, man hat ein gescanntes Ausweisdokument und seine Steuernummer (TIN) bei der Hand. Insgesamt hat mich das Einrichten vielleicht zwei Stunden gekostet. Am Aufwändigsten waren noch die Tests, die bei DEGIRO mittlerweile zu absolvieren sind, wenn man für bestimmte Produktgruppen freigeschaltet werden möchte. Dieser Punkt ist auch deshalb wichtig, weil sonst Finanzprodukte, die mit dem Profil des Zieldepots nicht übereinstimmen, nicht übertragen werden können!

Bevor man das neue Depot nutzen kann muss abschließend die Überweisung von einem zu definierenden Referenzkonto auf das niederländische EUR-Konto von DEGIRO erfolgreich abgeschlossen werden. Dies dauert für gewöhnlich einen Tag.

Transfer der Depotpositionen

So weit so gut! Aber wie bekomme ich jetzt meine Depotpositionen transferiert? Hierzu war eine formlose E-Mail an den Kundenservice nötig. Inhalt:

  • Mein Einverständnis, die anfallenden Kosten von 7,50 EUR pro Position zu tragen.
  • Benutzername des abgebenden Depots
  • Benutzername des aufnehmenden Depots
  • Wertpapierbezeichnung (Namen) und Stückzahl der zu übertragenden Positionen

Man könnte ja meinen, dass diese Daten dem Kundenservice vorliegen, aber so what?

Handling eines Wertpapierkredits

Das Thema Wertpapierkredit betrifft nur Kunden mit einem Active- oder Trader-Konto.
Ein anderer wichtiger Punkt, der mir vom Kundenservice genannt wurde:

Bitte stellen Sie vor Antragsstellung sicher, dass das abgebende Depot zum Antragszeitpunkt über eine ausreichende Deckung verfügt.

Sollte also eines der Fremdwährungs„konten“ (bei DEGIRO eigentlich ja Geldmarktfonds) ein negatives Saldo aufweisen, sollte man dieses erst ausgleichen. Oder man führt den negativen Währungsbetrag in seiner E-Mail als extra Position auf.

Gleiches sollte man ggf. auch mit anderen Währungspositionen machen, die man übertragen bekommen möchte.

Moderate Wartezeit

Ob der früheren Erfahrungen war ich hier recht skeptisch, wurde dann aber positiv überrascht, denn bereits nach gut einer Woche war der Umzug „durch“.

Im Falle negativer Währungsbeträge kann der Übertrag ggf. etwas länger dauern, da seitens DEGIRO eine umfassendere Risikoprüfung von Nöten ist.

Die Kosten des Umzugs

Kostenfrei ist der Umzug, wie bereits oben erwähnt, leider nicht zu haben. Bei mir haben sich schlussendlich die folgenden Posten angesammelt:

  • für jede übertragene Depotposition 7,50 EUR
  • Gebühr für den Geldübertrag 7,50 EUR
  • nochmals die „Einrichtung von Handelsmodalitäten 2021“ à 2,50 EUR für jeden genutzten Handelsplatz (Kosten, die mir bereits für den alten .ch-Account berechnet wurden!)

Bei mir kamen so in Summe mal eben 100,00 EUR zusammen. Nicht eben billig …

Mögliche Restriktionen

Zu beachten sind einige Besonderheiten:

  • Das neue Depot muss auf die gleiche Person lauten: Wertpapierüberträge, die einen Gläubigerwechsel beinhalten, sind also ausgeschlossen. Einstandskurse des alten Depots werden nicht übernommen: Dies ist insofern nicht allzu tragisch, dass man das Steuerreporting bei einem Auslandsbroker sowieso selbst zu verantworten hat.
  • Der Wertpapierkredit, d.h. die „Zuteilung Debit Geld“ muss im neuen Account ggf. wieder neu eingerichtet werden: Da alle neuen Zuteilungen, Änderungen oder Löschungen erst ab dem 1. Tag des Folgemonats gelten, kann es passieren, dass bis zu 1 Monat kein vergünstigter Zinssatz genutzt werden kann, sondern nur der reguläre Zinssatz von 4,00 % p.a. (Stand April 2021).

Stand April 2021 werden übrigens immer noch Geldmarktfonds statt regulärer Konten zur Haltung von Währungen genutzt.

Wann kann ich das alte Depot schließen?

Der alte Account kann frühestens dann beerdigt werden, wenn keine weiteren Ausschüttungen oder Dividenden ehemals im Bestand befindlicher Wertpapiere mehr eintrudeln. Dies hängt von deren Ex-Tag ab. Befand sich das Wertpapier zu diesem Zeitpunkt noch im alten Depot, trudelt auch noch die Dividende dort ein.

Ist man im Webportal von DEGIRO eingeloggt, kann man unter Portfolio / Zukünftige Dividenden nachsehen, ob noch weitere Zahlungen zu erwarten sind.

Schließung des alten DEGIRO Depots

Das folgende Vorgehen ist nötig, um einen Account bei DEGIRO zu schießen, egal ob es sich nun, wie in meinem Fall, um einen Umzug handelt, oder schlichtweg eine Beendigung der gesamten Geschäftsbeziehung:

  • ggf. abonnierte Realtime-Kurse deaktivieren.
  • falls Währungen in Geldmarktfonds angelegt sind, für jede Währung AutoFX auf „automatisch“ stellen.
  • falls für einen der Geldmarktfonds für erlittene Wertverluste ausreichend Kompensation angefallen ist (siehe online unter „GMF Kompensation“ bei „Aufgelaufene Kompensation“) : Auszahlung der Kompensation auf das eigene Referenzkonto beantragen (man will ja DEGIRO nicht unnötig etwas schenken). Negative Renditen, die sich aus Marktzinsen und Fondskosten ergeben, werden von DEGIRO dankenswerterweise, bis zu einem bestimmten Betrag, kompensiert. Wurde die Kompensation schließlich ausbezahlt, sollte der Betrag unter „GMF Kompensation“ als „Gesamt ausgezahlte Kompensation“ erscheinen.
  • wenn alles andere erledigt ist, den final übrig bleibenden Beitrag im Geldmarktfonds (bei einem EUR-Account also der Betrag auf dem EUR Geldmarktfonds) auf das Referenzkonto auszahlen lassen, dabei aber 1,- bis 10,- EUR im Geldmarktfonds für eventuell noch anfallende Gebühren übrig behalten.

Danach kann man per E-Mail an DEGIRO eine Kündigung beantragen, am besten mit Angabe eines Grundes. Die Kündigung sollte man über die registrierte E-Mail-Adresse versenden.

Ob DEGIRO seine Altkunden nach der Depotkündigung zu Beginn des neuen Jahres noch einmal mit einer Jahresübersicht beglückt, ist mir nicht bekannt. Um bei der Steuererklärung nicht mit leeren Händen dazustehen sichert man sich daher am besten vorher noch einmal über einen Kontoauszug alle relevanten Kontobewegungen. Als Zeitraum kann man sich z.B. den Jahresanfang bis zum Termin der Kündigung auswählen. Über die Kontoansicht kann man sich diesen Bericht z.B. als PDF abspeichern.

Ein letzter Hinweis: während ich diese Zeilen schreibe, stellt DEGIRO gerade von Geldmarktfonds auf Geldkonten um – ggf. ist das Vorgehen also dahingehend anzupassen.

Bild von Steve Buissinne auf Pixabay


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