Kategorien
Finanzprodukte Steuern

Interactive Brokers erstellt Steuerreporting für deutsche Kunden – Update

Letzte Aktualisierung: 29.07.2021.

Etwa seit Oktober 2020 bieten die Introducing Broker von Interactive Brokers, also z.B. BANX, CapTrader oder LYNX, einen „Informativen Steuerbericht“ zur Unterstützung für die deutsche Steuererklärung an.
Wie kann ich mir diesen erstellen lassen, und wie bringe ich diesen mit meinem bisherigen Reporting in Einklang?

Informativen Steuerbericht anfordern

Den informativen Steuerbericht findet Ihr in der Kontoverwaltung unter Berichte/Steuerdokumente und dann unter Steuern. Unten rechts bei Informative Steuerberichte könnt Ihr nun für Eure Rechtsordnung (also z.B. Deutschland) ein entsprechendes Reporting anfordern. Mir wurde seitens CapTrader zwar gesagt, dass dies erstmalig für das Jahr 2020 möglich sei und spätestens Ende März 2021 verfügbar sein soll. Einigen Erfahrungsberichten aus dem Internet konnte ich jedoch entnehmen, dass bereits für das Steuerjahr 2019 ein informativer Steuerbericht erstellt werden kann.

100-prozentig verifizierte Erfahrungswerte zu der Güte des Reportings gibt es bisher nicht. In verschiedenen Foren war aber bereits zu lesen, dass Aktiengewinne hier, im Sinne des deutschen Finanzamts, „richtig“ berechnet werden. Ebenso beklagt wurde allerdings, dass die Werte nicht mit der eigenen Steuererklärung übereinstimmen würden.

Gründe für Differenzen im Reporting

Wo sind denn die möglichen „Knackpunkte“, um zu prüfen, warum es zu Unstimmigkeiten kommt? Aus eigener Erfahrung kann ich hierzu einiges aufführen:

  • Dividendenzahlungen: Im Folgejahr kommt es häufig zu Korrekturbuchungen wg. Return Of Capital (ROC). Daher sind die originären Dividendenbuchungen aus dem Steuerjahr (wie man sie z.B. in den Activity Reports sieht), im speziellen bei CEFs, US-ETFs oder US-REITs, oft nicht brauchbar. Durch die Korrekturbuchungen verringert sich nämlich die steuerbare Dividende (und damit auch die Bemessungsgrundlage für die deutsche Abgeltungsteuer!) und es kommt zu Rückzahlungen zu viel gezahlter ausländischer Quellensteuer.
  • Anpassungen der Kostenbasis: sofern ein Teil einer Dividendenzahlung als ROC ausgeschüttet wurde, verringert das die Anschaffungskosten des Wertpapiers um den entsprechenden Betrag! Daher handelt es sich beim ROC letztlich nicht um einen Steuerminderung, sondern um eine Steuerstundung.
  • Zeitliche Abgrenzung: Interactive Brokers nutzt das Ex-Date einer Dividendenzahlung zur zeitlichung Zuordnung in das Steuerjahr. Ich persönlich würde aufgrund des in Deutschland gültigen Zuflussprinzips eher das Pay-Date nutzen. Unter Umständen könnte man noch eine „Karenzzeit“ von z.B. 10 Tagen im Folgejahr berücksichtigen, obwohl dies eigentlich nur für „regelmäßig wiederkehrende Leistungen“ sinnvoll ist.
  • Reporting nach Währung oder Land: dies wird seitens Interactive Brokers im Reporting unterschiedlich gehandhabt. Es gibt darüber hinaus z.B. Wertpapiere, die zwar in USD ausschütten, aber ihren Unternehmenssitz in Kanada, UK oder den Bermudas haben …
  • Im Falle von Einnahmen aus der Wertpapierleihe („Aktienrendite-Optimierungsprogramm“ bzw. „Stock Yield Enhancement Program“) ist dieser Teil einer erhaltenen Dividendenzahlung („Payment in Lieu“) separat aufgeführt. Addiert ergibt sich zwar eigentlich die Gesamtsumme der Dividende, dennoch kommt es gelegentlich zu (geringen) Rundungsdifferenzen, meist von nur wenigen Cents.
    Achtung: Im Dividendenbericht für das Steuerjahr sind „Payments in Lieu“ ebenfalls separat aufgeführt!
  • Updates des Reportings im Laufe des Folgejahres: Der erste Dividendenreport, den ich meist bereits im Februar des Folgejahres bekommen habe, unterscheidet sich z.T. noch deutlich von den jeweils später noch einmal aktualisierten Versionen. Hier sollte man also, Erfahrungswert, zumindest bis Ende Mai warten.

Achtung bei Migration des Kontos

Ein wichtiger Hinweis, für alle Kunden, deren Konto wg. des Brexits Anfang 2021 migriert wurde: Wenn Ihr einen informativen Steuerbericht haben wollt, müsst Ihr vorher in der Kontoverwaltung unter Berichte/Steuerdokumente, rechts neben dem Wort Berichte, auf das alte vor-Brexit-Konto umstellen. Sonst seht Ihr nämlich: nix!

Für 2021, so vermute ich mal, wird es dann zwei Informative Steuerberichte geben, einmal für die Tage vor der Konto-Migration, einmal für den Rest des Jahres. Ab 2022 ist dann nur noch das neue Konto relevant.

Übrigens: ich persönlich sehe diesen Bericht für 2020 bisher (Stand 07/2021) nicht … ;-( mir wurde seitens CapTrader eigentlich zugesichert, dass er bis ca. Ende März 2021 verfügbar sein müsste. Am 26. April habe ich noch einmal bei CapTrader nachgefragt. Die Antwort im Wortlaut:

Beim informativen Steuerbericht kommt es von Seiten Interactive Brokers derzeit leider zu Verzögerungen. Dies betrifft alle Kunden. Mir ist es derzeit auch nicht möglich, Ihnen einen Zeithorizont dafür zu nennen. Uns ist bewusst, dass der Bericht planmäßig bereits vorliegen sollte. Wir können Sie momentan nur weiter um Ihre Geduld bitten.

Ich werde an dieser Stelle jedenfalls weiter über meine eigenen Erfahrungen mit dem Informativen Steuerbericht berichten …

Ach ja, wer jetzt trotz der ganzen Steuerproblematik Lust auf ein Auslandsdepot bekommen hat, der kann gleich loslegen: Wer im Rahmen des Refer a Friend-Programms von Interactive Brokers (IB) ein Depot eröffnet, erhält als Belohnung Aktien von IB im Wert von bis zu 1.000 USD, und ja, ich gehe dabei auch nicht leer aus. (*)

Bild von planet_fox auf Pixabay


Werbung

Schritt-für-Schritt zum Dividenden-Profi

22 Finanzblogger teilen ihr Dividenden Know-how! Jetzt noch umfangreicher, noch informativer und noch wertvoller für deinen Erfolg! Lies jetzt kostenlos unsere neue Dividenden-Ausgabe!

Das Finanzmagazin GELDMAG

Inhalte werden geladen
Abonnieren
Benachrichtige mich
guest
Ihr Name (erforderlich)
Ihre E-Mail (erforderlich). Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Ihre Website (optional)
Ihr Unternehmen (optional)
Zum Kommentieren muss die Datenschutzerklärung akzeptiert werden.
Falls angehakt, wird ein MD5-Hash-Wert deiner E-Mail-Adresse an Gravatar.com übermittelt. Der Hash-Wert wird jedoch nicht veröffentlicht.
31 Kommentare & Antworten
Älteste
Neueste Am häufigsten bewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare ansehen